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Das Unikat als Snapshot

Hermann Venghaus über seine Kunst:

Wie alle Künstler leiten mich Energie und Subversion: Ich will, dass meine Bilder in den Räumen, in denen sie hängen, explodieren, dass sie unübersehbar sind, wie eine an die Wand genagelte Currywurst.

Die beliebige Bequemlichkeit des lässigen, schicken Bewohnens soll gestört werden: Venghaus statt Fengshui.

Heute sind die Aufgaben der Kunst in erster Linie nicht Dekoration und Entertainment. Auch ist die Kunst nicht länger Gegenstand eines schöngeistigen Interesses, etwa im Sinne einer bildungsbeflissenen Pose, denn was ist „schön“? In einer unhomogenen Welt kann die Kunst schließlich auch nicht propagandistisch wirken, um Weltanschauungen und sozialen Formierungen zu dienen, denn was ist „wahr“?

Heute beschreibt die Kunst unsere überlebenshaltung körperlich direkt und unmittelbar. Ich schaue mir kein Bild an, um Zeit zu verbringen oder um abzuschalten und zu vergessen. Vielmehr gehört die Kunst zu meiner ständigen individuellen Ausstattung, wie mein Haarschnitt, mein Style, ja, die Kunst ist mein Handwerkszeug.

Ich brauche und gebrauche sie funktional, um in der entstrukturierten und kulturatomistischen Welt meine einzigartige Identität – in meiner Tracht - zu behaupten und allen globalistischen Psychosen subversiv zu begegnen.

Kunst ist mein warmer Panzer aus buntem Tuch.

Ich male nicht gegen die Globalisierung an, sie ist unausweichlich und unumkehrbar – und wahrscheinlich gerecht. Aber ich suche nach einem Ausdruck, um in einer Welt globaler Primate in Freude zu bestehen. Meine Bilder codieren Vitalität und Humanität – auch in den Straßenschluchten der Megapolen und an den trostlosen Ecken der Vorstädte.

Die beschauliche Provinz ist tot, alles ist laut, alles ist überall. Nur hinter den Gesichtern finden wir Stille. Es liegt an uns, dass diese Stille nicht tödlich, sondern friedlich sei.

Was ist die Methode: Ich habe keine Modelle, aber ich bin nahezu ständig einer Flut von Bildern ausgesetzt, Zapp-TV, Werbung, Illustrierte. Tausende aufregende Welt-Bilder rauschen als Wegwerfware durch mein Bewusstsein und erzeugen eine nervöse Stimmung, so als könnte ich in die Herzen und Gedanken von Millionen Menschen sehen. Doch jede neue Nähe verwandelt sich in Distanz. Nichts kann ich festhalten, nichts beantworten. Jedes Wochenende bringe ich eine neue Armvoll Illustrierte zur Mülltonne, und immer schneller, atemloser entwirft und generiert sich die Welt neu und entfernt sich von mir.

Mit meinen Bilder halte ich das Wegzuwerfende, Verschwendete fest: Immer wieder einen einzigen winzigen Ausschnitt kann ich retten und zum Unikat erheben, während all die anderen Bits und Pixel ins Vergessen tauchen.

Die Ausschnitte, die ich konservativ bewahre, sind jene, die die Brüche dieser zornigen, gärenden Gesellschaft für mich am besten beschreiben, will sagen, die mich am heftigsten verstören oder am intensivsten ermutigen.

Meine Subversion beginnt mit der malerischen Dokumentation dieser Indizien. Was still und leise in den Massenmailings und Modemagazinen verfluten und verrinnen sollte, schöpfe ich in bleibende Bilder – das Unikat als Snapshot. Mich elektrisieren die Opferhelden der totalen und permanenten Medienpräsenz in ihrem Scheitern, in ihrem Verlassensein, in ihrer Unkommunikativität, in ihrer hohlwangigen Laszivität und plebejischen Schönheit. Ich male und bezeuge die großstädtischen Bilder und Legenden dieser Ungebrochenen und Gebrochenen.

Und alle, die sich damit umgeben, verfügen über ein kulturelles Totem, über ein Banner der Inidividualität, das sich über den blöde knisternden, alles bedeckenden Schaumteppich des globalen Media-Zeitgeists erhebt und verkündet:

Jeder Mensch ist unbegreiflich – und ein großes Wunder.
Hermann Venghaus
Hermann Venghaus Hermann Venghaus red
Hermann Venghaus blue orange
Über den Künstler
  • 1953 im Ruhrgebiet geboren
  • Zu seinem zehnten Geburtstag bekam er von seine Oma einen Ölfarbkasten
  • Journalist und Fotograf in Aachen und Düsseldorf
  • Kommunikationsmanager bei RWE in Essen und Siemens in München
  • Freier Künstler seit 2005
  • Austellungen in Ludwigshafen, München und Würzburg